Ein sauberer Reifenwechsel bedeutet nicht einfach, vier Räder ab- und wieder anzuschrauben. Profilzustand, Auswuchten, richtiger Luftdruck und das Anziehen mit Drehmoment entscheiden darüber, wie lange die Reifen halten, wie stabil das Auto liegt und ob das Lenkrad auf der Autobahn vibriert. Im Grunde ist es eine kleine Sicherheitskontrolle im Gewand einer Routinearbeit.
1. Zuerst der Zustand der Reifen
Vor der Montage werden Profiltiefe, ungleichmässiger Abrieb, Risse, Schnitte oder Beulen an der Flanke geprüft – und, wo relevant, das Alter des Reifens (das Produktionsdatum steht als vierstellige Zahl auf der Flanke: Woche und Jahr).
In der Schweiz liegt das gesetzliche Minimum bei 1,6 mm. Das ist aber eine rechtliche Grenze, keine Sicherheitsschwelle: Auf Nass und Schnee lässt die Fähigkeit, Wasser abzuführen und Grip aufzubauen, deutlich früher nach. Deshalb empfehlen viele Werkstatten, den Ersatz bei Winterreifen um 4 mm und bei Sommerreifen um 3 mm herum einzuplanen.
2. Montieren, ohne die Felge zu beschädigen
Alufelgen verkratzen leicht: Falsches Werkzeug oder wenig Sorgfalt hinterlassen Spuren am Rand, und bei einer lackierten Felge kann ein tiefer Kratzer mit der Zeit Korrosion auslösen. Besonders wichtig ist die Sorgfalt bei grossen Raddurchmessern, Niederquerschnittsreifen und teuren Felgen, wo die niedrige Flanke kaum Spielraum lässt.
3. Auswuchten: was es ist und wann es wirklich nötig ist
Kein Rad ist perfekt im Gleichgewicht: Reifen und Felge haben immer kleine Gewichtsunterschiede über den Umfang. Die Auswuchtmaschine findet die schwereren Stellen, die mit kleinen Gegengewichten ausgeglichen werden. So läuft das Rad auch bei hohem Tempo ruhig.
Stimmt die Auswuchtung nicht, entstehen Vibrationen im Lenkrad oder im Innenraum bei bestimmten Geschwindigkeiten, ungleichmässiger Abrieb und weniger Komfort. Besonders relevant ist sie:
- wenn der Reifen von der Felge genommen wurde oder neu ist;
- wenn du bereits eine Vibration spürst;
- wenn ein Gegengewicht verloren gegangen ist;
- nach einem harten Schlag gegen ein Trottoir oder ein Schlagloch.
Montierst du dagegen komplette, bereits ausgewuchtete Radsätze und spürst keine Vibration, muss beim saisonalen Wechsel nicht jedes Mal neu ausgewuchtet werden.
4. Der richtige Luftdruck kommt vom Auto, nicht vom Reifen
Der Luftdruck entscheidet, wie viel Reifenfläche tatsächlich auf dem Asphalt aufliegt. Zu tief: Die Ränder arbeiten mehr als die Mitte, der Reifen wird heiss, das Auto reagiert weniger präzise und Verbrauch beziehungsweise Reichweite verschlechtern sich. Zu hoch: Vor allem die Mitte trägt, der Komfort sinkt und der Abrieb konzentriert sich in der Mitte.
Den korrekten Wert gibt der Fahrzeughersteller vor, nicht der Reifen. Du findest ihn an der Fahrertürsäule, oft an der Tankklappe, im Bedienungshandbuch oder im Bordsystem. Meist sind zwei Werte angegeben: normale Beladung und Volllast.
5. Das Anziehen mit Drehmoment
Drehmoment ist einfach gesagt, wie fest die Radschrauben angezogen werden – gemessen mit einem Drehmomentschlüssel auf den vom Hersteller vorgegebenen Wert. Zu wenig ist gefährlich, weil sich die Schraube lösen kann; zu viel kann die Felge verformen oder die Schraube überdehnen und das Abnehmen des Rads beim nächsten Mal erschweren, etwa bei einer Panne.
Drei Details, die man in der Werkstatt lernt
- Deutlich stärkerer Abrieb an einer Reifenschulter ist eine Botschaft. Einfach den nächsten Satz zu montieren, lässt das Symptom für ein paar Monate verschwinden. Die Ursache – oft eine verstellte Achsgeometrie oder ein abgenutztes Fahrwerksteil – frisst danach auch die neuen Reifen.
- Die Zahl auf der Reifenflanke ist nicht der empfohlene Luftdruck. Sie gibt den maximal zulässigen Druck des Reifens an, nicht den, den dein Auto braucht. Wer sich daran orientiert, pumpt fast immer zu stark auf.
- Eine Vibration, die vor allem über 90 km/h auftritt, ist fast eine Signatur. In den meisten Fällen weist sie auf die Auswuchtung hin, nicht auf einen Reifendefekt.
« Tipp aus der Werkstatt: Der Luftdruck ändert sich mit der Temperatur, rund 0,1 bar pro 10 °C. Reifen, die an einem milden Herbstnachmittag korrekt gefüllt wurden, zeigen an den ersten kalten Morgen weniger Druck. Kontrolliere den Druck einige Wochen nach dem saisonalen Wechsel noch einmal, bei kalten Reifen. »
Der praktische Schritt
Wenn du einen Reifenwechsel buchst, verlange, dass Profil, Luftdruck nach Herstellerangabe und Drehmoment geprüft werden und dass dir ungleichmässiger Abrieb gemeldet wird. Das sind wenige Minuten mehr, die dir sagen, ob die Reifen die Saison durchhalten und ob unter dem Auto etwas angeschaut werden sollte.
